Samstag, 9. August 2008

.. but a song walks by itself.


Hach. Der Sommer stirbt grade schon ein bisschen, gestern war es schon wieder total früh dunkel und ich habe ernsthaft (nein, nicht an den Herbst gedacht) an den Weihnachtsmarkt gedacht. An Pudelmützen, Vanilleduft und kalte Füße. Und irgendwie wurde ich dabei sehr melancholisch. Das Jahr war bisher sehr turbulent, aber schön, es war neu und vergangenheitseinholig, es war ziemlich kurz und es ist sehr viel passiert. Ich habe viele Menschen in mein Herz geschlossen, andere vernachlässigt. Die Zukunft winkt schon aus der Ferne und das macht mich nachdenklich.. und grade im Moment rollt sich eine Geschichte auf, und zwar in origamihafter Komplexität, die ich eigentlich abgehakt hatte.. alles ist irgendwie zu viel, aber es fühlt sich gut an. Sowas nennen Frauen Gefühls-Wirr-Warr, Männer nennen es Kompliziertsein. Ich nenn es Halbjahres-Blues :-)

Natürlich hilft mir in solchen Situation nur eins: Musik. Gute Musik. Gute Rockmusik. Sehr gute Rockmusik.. und davon gibt es sehr viel, aber doch nur wenig, was wirklich gut passt.

Heute habe ich dann ganz plötzlich einen Ohrwurm gehabt.. man sagt ja das kommt dann, wenn man ein Lied nicht fertig hört und das Gehirn versucht es zu komplettieren. Aber ich habe das Stück hier gar nicht gehört. Zumindest nicht wissentlich.. es war einfach so da, wie eine Eingebung :-)

Der Song ist von The Black Crowes und nennt sich She talks to Angels. Jede Zeile ist eigentlich eine eigene Analyse wert. Viel möchte ich dazu aber nicht sagen. Denn, wie Todd Haynes den jungen Bob Dylan in "I'm not there" (2007) sagen lässt:
"A poem is like a naked person. But a song walks by itself."




Mittwoch, 16. Juli 2008

Having lovers is all good and fine - but I don't like yours and you don't like mine


Es gibt Musi, die mich einfach an irgendeine bestimmte Situation erinnert, so wie das manchmal auch mit Gerüchen ist (ich denke da zB an "Vanilla Kisses", ein ekelhaftes Deo der Marke "Impulse", aber jeder musst es damals haben. Wobei.. ich glaub ich hatte lieber das "Spice Girls"-Deo davon :-) .. das hatte Alegra bestimmt auch.. hihi).
Vor allem mag ich Lieder, bei denn ich an die Zeit nach dem Abi zurückdenken muss.. das sorgenfreiste halbe Jahr meines Lebens.

Heute auf der weniger sorgenfreien Rückfahrt von der Arbeit erklang auf meinem Lieblings-Radiosender dann ein Stück, das ich zwar in letzter Zeit öfter mal gehört hatte (und auch immer toll fand), aber erst heute ereilte mich das Gefühl dazu. Und es war toll. Sehr sogar.
Es handelte sich um das da:






Ist es nicht toll? Jaaa es ist so sehr in-den-Sonnenaufgang-autofahrig und so sehr aufwachmusisch und es ist am-See-Eisessen-und-Sonnencreme-riechend.. ach es ist grandios und dabei nicht mitzusingen fällt mir noch schwerer als bei allen anderen Liedern der Welt :)

Und der gute Papa Clapton (den ich übriegens im letzten Jahr live sah und nicht wirklich weiß, was ich von ihm, dem Perserteppich auf der Bühne und den 17 Gitarristen halten soll..) hat da wirklich was schönes gebastelt.. ein perfekter Song über in kindliche Gleichgültigkeit verpackte Liebe. Über einen Jungen, der sich einredet, er habe sie vergessen.. wunderbar..


Hier ein paar Impressionen.. einfach mal so.. unkommentiert :)

I don't care if you never come home - I don't mind if you just keep on rowin'away on a distant sea, cause I don't love you and you don't love me.


Having lovers and friends is all good and fine, but I don't like yours and you don't like mine.


I don't care what you do at night, I don't care how you get your delights - we'll leave it alone, we'll just let it be - I don't love you and you don't love me.


I got a problem - can you relate? I got a woman, callin' love hate.


We made a vow, we'd always be friends. How could we know that promises end.


I tried to love you for years upon years, but you refuse to take me for real - It's time you saw what I want you to see, that I'd still love you if you'd just love me.




Freitag, 11. Juli 2008

Cowboys & Jesus

Was ein schöner Sonntagnachmittag. Die Sonne brannte auf unser Haupt, ein kühles Radler in der Hand, wie kanns schöner sein. Das war Rock am Ring 08. Papa Kolumna und ich haben eigentlich nur "mal so" an der Hauptbühne vorbeigschaut, denn "Kid Rock kann man sich ja mal anschauen". Viel wusste ich gar nicht über den jungen Herrn.. außer natürlich die Sache mit Pam und, dass er immer nen Hut und diesen kleinen Mann dabei hat. Ihn musikalisch einzuordnen fiel mir schwer, tut es eigentlich immer noch, irgendwie ist es eine Mischung aus Rock und Hip Hop, erinnert mich immer ein wenig an die H-Blockx gepaart mit Eminem, oder so. Halfipipe-Musik hab ich das glaub ich genannt :) Auch wenn er natürlich ein selbstverliebtes Arschloch ist, hatte ich schon immer das Gefühl, dass er das zumindest mal selbst weiß.. und dann ist es ja eigentlich okay :-) (Außerdem sind Cowboys ja n bisschen ...)


Nunja, also da kamen dann nach viel Vorgeplenkel die Musiker auf die Bühne, darunter eine ultracoole blondgefärbte dunkelhäutige Endfünfzigerin am Schlafzeug. Mister Rock kam dann auch irgendwann und zwar genau so, wie man sich ihn vorstellt: Hut auf dem langen Haupthaar, oben ohne seine vielen Tattoos zeigend, Sonnenbrille. Nach ein paar Minuten wurde mir schlagartig klar: er tut nicht nur so, er ist es! Eine verdammt coole Sau :)

Kein anderer Künstler hat es geschafft das Publikum - gerade an einem Nachmittag - so mitzunehmen. Natürlich hat grade "All Summer Long" eingeschlagen (danach haben sie auch noch "Sweet Home Alabama" performed, juhu), aber auch seine anderen 9 Stückchen waren echt hörenswert. Zum Beispiel auch eine ultralässige Version von ZZ Tops "Lookin' for some Tush" (hihi dachte immer sie sängen "touch" :) ).






Auf jeden Fall hab ich mir daraufhin das neue Album "Rock n Roll Jesus" zugelegt ("Ich kaufe noch Original-CDs). Und was soll ich sagen, das Ding ist fantastisch. Und wenn man "All Summer Long" kennt, wird man eher überrascht: ich dachte das sei seine neue Masche.. happy funky Summer Rock Country.. haha weit gefehlt! Okay, ein paar Tracks sind durchaus für Schäferstündchen geeignet (Roll On, When U Love Someone, Blue Jeans And A Rosary) und dürften sicher auch mal nach 22Uhr im Mädcheninternat gehört werden.

Beispiele
'Cause when you love someone
It don't matter what you say
When you love someone
You will dance the night away

(aus: When U Love Someone)

At a roadside bar in Tennessee
I met an angel to rescue me
She rescued me
She wore blue jeans and a rosary
Believed in God and believed in me
All her friends think she's a little crazy
She wears a smile, heart on her sleeve

Don't give a damn what the world thinks of me

(aus: Blue Jeans And A Rosary)

Ein paar andere Liederlis fallen dagegen ja sowas von durch das Raster "Liebe, Gott und das schöne Amerika", dass das Cowgirl in Blümchenbluse sicher mit hochroten Hauptes von ihrem Ross fallen würde. Und um genau diese zweideutigen (oder eigentlich völligst eindeutigen) Texte soll es im Folgenden gehen. Wenn ihr also gerade mit eurer kleinen Schwester diesen Blog lest, schickt sie mal eben Bier holen ;)


Wie wärs denn zum Beispiel mit dem fünften Stück namens "So Hott"? Da würde die Internatsaufseher auf jeden Fall hellhörig werden.. über gute Freundschaft singt der Herr da nicht, aber das sagt er ja immerhin selbst:

You got a body like the devil and you smell like sex
I can tell you're trouble but I'm still obsessed
Because you know you're so hot, I want to get you alone
So hot, I wanna get you stoned
So hot, I don't want to be your friend
I want to f*** you like I'm never gonna see you again....

Naja gut, für ein "huiui" reichts.. aber als ich das Lied mit dem harmlos klingenden Namen "Sugar" auf dem Weg nach Mainz hörte, stellte ich nicht nur fest, dass ich dir Hälfte nicht verstehe, sondern auch, dass "So Hott" eigentlich vergleichsweise wenig explizit ist.
In diesem Track versucht Kid sich zunächst darin, eine sehr genaue Charakterisierung seiner selbst abzuliefern. Dies tut er durch Vergleiche: er ist so böse wie Brutus, kein Jude, aber auch kein Nudist, größer als Seinfeld's Haus in den Hamptons und weil Zucker sein größtes Vergnügen ist, nennt man ihn auch "Cowboy". Aha. Alles noch nicht so wild. Nachdem der Zuhörer nun allerdings weiß, mit wem er es da zu tun hat, man kennt sich ja jetzt, wird der Herr aus Detroit dann doch direkt und fordert recht unverblümt dazu auf, ihn doch beim Wort zu nehmen. Huh!

So f*** you, f*** u in the nose
F***you and your flows, f*** you and your hoes
F*** u and your mother if u can't understand it
I'm the illest mutha f***er on the God damn planet
Huh

Und was lernen wir daraus?

1. Man muss nicht nett sein, um Erfolg zu haben.
2. Frauen stehen auf böse Jungs,
3. Image ist ALLES.

Montag, 7. Juli 2008

Why does it always f***** rain on me?



Es gibt einfach Zeiten, da könnt ich - auch wenn ich kein Freund des Schlafes bin - grade wieder zurück ins Bett gehen. Denn liegend können folgende Dinge nicht passieren:


- Der Riemen eines Schuhes reißt.


- Man wird von Kopf bis kaputtem Schuh nass, weil man keinen Schirm dabei hat.


- Man vergisst seinen Bib-Ausweis (bzw verliert ihn) und kann deshalb nicht ausleihen.


- Man läuft mit kaputtem Schuh durch den Regen unnötigerweise zur UB.


Was ich an diesem Tag allerdings auch unter der Bettdecke hätte erleiden müssen, ist eine stehengebliebene Uhr. Für mich als uhrophile Zeitgenössin (boah, Doppelwortwitz!) ein echter Schlag ins Gesicht (auch wenn ich sie immer noch nicht repariert habe.. und ich glaube ich kann sogar langsam ohne Uhr!)

Nunja.. dieser Tag wurde abends dann noch ganz nett auf dem Geofest abgerundet, auch wenn ich dort den größten Fehler meines Lebens begangen habe: rheinhessischer "Wein" in Schorleform. Und das auch noch für 3€ / 0,4 Liter. Als rieslinggetaufte Pfälzerin eine Beleidigung in Geschmack und Preis. Vielleicht hatte ich auch aus Versehen einen halbtrockenen Zitronensaft mit abgestandenem Wasser bestellt.. das kann natürlich auch sein.

Es gibt wohl einfach Tage, die braucht keiner. Oder gar Wochen.. heute Nacht habe ich dazu auch noch spontan eine virale Mittelohrentzündung entwickelt und werde nun also eine Mono-Version meiner CD-Sammlung hören beim Weitertippen meiner Hausarbeit.

Die beschäftigt sich übrigens mit dem tollen biopic über Bob Dylan: Todd Hayne's "I'm not there" (2007). Ein schönes neues Thema.. der Bob. Aber erstmal wird die akademische Pflicht erledigt.



Warmtippen beendet.





Donnerstag, 3. Juli 2008

A force from above and a whisper in the morning

"So jetzt kommt der Klaus.. mit "The Power of Love", viel Spaß!"
Diesen Spruch kennt eigentlich jeder fleißige Irish Pub-Besucher der westlichen Hemisphäre. Die Frage, die sich mir dann in meiner Guiness-seeligkeit blitzartig aufdrängt ist nicht etwa: Wer ist eigentlich Klaus? Der Ladenhüter eines Karaokeabends, der diesen Song und "Unchained Melody" seit 1973 intoniert.. nein nein. Mich interessiert viel mehr: Welches "The Power of Love" wird es sein?
Unsystematische Studien meinerseits haben ergeben, dass ca. 89% aller Deutschen zunächst diesen Hit mit dem Titel verbinden:





Frankie Goes to Hollywood sind so die so ziemlich übelste Ausgeburt ihrer Zeit.. spätestens nachdem man sich die Stimme mal genauer angehört hat und weiß, dass die auch jenes "Relax.. don't do it.." verbrochen haben, braucht sie eigentlich keiner mehr .. Und was lehre sie uns über die Macht der Liebe? Sie ist "a force from above" und "cleaning my soul". Eine klassische Katharsis-These :)

Nur 5% der Befragten entscheiden sich für einen anderen Hit. Meiner Meinung nach ist dieser jedoch noch viel viel grausamer, da intoniert von meiner alten 80er-Jahre-Pulli-Trägerin Jennifer Rush, die es locker mit Kermit (und somit auch Shakira) bei einem "Wer hat die größere Kartoffel zwischen Nase und Gaumen klemmen?"-Wettbewerb aufnehmen könnte. So ein typischer "Die beste Lovesongs aller Zeiten"-CD-Kandidat. ("Wenn Sie jetzt bestellen bekommen Sie dieses praktische Disco-Feuerzeug gratis dazu"). Schlimmer auch für Klaus, der ja schon bei "Unchained Melody" von Jens und Thomas am Nebentisch belächelt wurde.. und letzterer Ghost-Töpferszene-Gassenhauer hat auch noch etwas mehr Sinn - und das soll was heißen. Also das hier is definitiv die schlechtere Wahl, mein Lieber (bitte lass auch die männliche Version dieses Pullis zu Hause.. steigert die Authentizität, aber nicht die Gunst des Publikums. Übrigens: NEIN, DAS LIED IST NIIIIIICHT VON CÉLINE DION! Sie hat da geklaut, wie fast immer, die alte Kackbratze :-) Aber - auch wenn ich nie geglaubt hätte, dass ich das mal sage: Ihre Version ist sogar noch leichter zu ertragen als das da.. (Hier soll auch angemerkt werden, dass "When I need You" auch nicht von ihr ist. Und "Without You" nicht von Mariah Carey *brr* :D )





Die beste Lösung (6%) für ihne hält jedoch der gute Huey Lewis mit seinen News bereit. An den denkt komischerweise aber niemand, obwohl den Song eigentlich jeder kennt. Naja gut, seine Lieder sind nicht groß und unterscheiden sich oft nur in drei Tönen oder Wörtern, aber dafür kann man prima dazu mit nem Stift auf den Tisch klopfen.. probierts mal aus :) Und es war Teil des supercoolen "Zurück in die Zukunft"! Außerdem gibts hier die coolsten Lyrics gleich mit: "The Power of love is a curious thing" :-)


Sonntag, 29. Juni 2008

One way.. or another..

Miau und guten Tag. Sonntage sind auf meiner Lieblingstageliste auf Platz 7. Definitiv. Aber vielleicht bin ich auch selbst dafür verantwortlich, denn die Schlagworte Kaffee, VOX und Schlafanzug reichen meist aus, um diese 24 Stunden zu charakterisieren.

Aber heute ist ja besonderer Siebter, denn unsere Elf werden Erster.. vielleicht. Und deshalb wird es nur ein Sonntag bis 18Uhr sein, danach geht es eher samstaglich zu (Schlagworte: Grillen, Radler, Fußball, Spaß und Freu(n)de).

Die EM-Hits in diesem Jahr lassen ja eher zu wünschen übrig.. was sich Revolverheld da geleistet hat wäre ja sogar für ne halbstarke Kinderschokoladenwerbung fragwürdig. Deshalb habe ich heute meinen eigen europameisterlichen Hit gefunden. Wie ich so gerne sage "Alt, aber doch noch gut."




Blondie war damals noch Model (glaube ich).. mittlerweile sieht sie - wie "Die Chart Show" und ihre Freunde eindrucksvoll beweisen - etwas gesünder aus.. :-) Neben Chris Norman, Boney M und .. natürlich!!! THE SWEET .. ist sie wohl der meistgebuchte "Alle-erinnern-sich-noch-an-XY"-Star in diesen Formaten. Aber das Lied, das kann niemand leugnen, ist einfach klasse. Es hat diese latente Nancy Sinatra - Frechheit und die simple THE KINKS-Melodik und dazu noch einen an Pokémon-Songs erinnerte Textführung ("One way or another I'm gonna getcha, I'll getcha, I'll getcha getcha getcha getcha"). TOLL :)

Und in diesem Sinne: Egal auf welchem Weg.. We're gonna getcha, Pokal :) Fragt sich nur wer "wir" ist :)

Donnerstag, 19. Juni 2008

They've all gone to look for America

U.S.A.

Selten haben drei Buchstaben die jungen Gemüter so bewegt wie diese Abkürzung (außer vll BSE, aber das tut jetzt nichts zur Sache). Da das hier ja kein politischer Blog ist, sondern vielmehr ein verbalisiert akustischer (--> Autocorso, Namen, Musik..), möchte ich mal kurz darüber nachdenken, was die Meilen- und Kieselsteine der Rockgeschichte so über das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ausgespuckt haben. Manches war tatsächlich ein rotziges Verachten, manches entstand aus Bewunderung für unglaublich Weites und andere fallen eindeutig in die Kategorie "Patriotismus mit und ohne sternenbedrucktes Deckmäntelchen". Ein gutes Beispiel ist da "Born in the USA" von Altmeister Bruce Springsteen (früher dachte ich ja, er hieße Bruce Bringsteen. Sprecht es mal so aus.. macht keinen Unterschied :) ). Würde man mal eine Umfrage machen, um was es in diesem Song eigentlich geht, würden sicher viele so etwas sagen wie "Naja, der singt eben über seine schöne Heimat, oder?". Doch was merkt der aufmersame Songtextestudent? Heimat, ja. Schön - nein. Der Musiker aus New Jersey singt über das, was die amerikanische Gesellschaft in den 60ern spaltete wie kein anderes Thema: Vietnam. Genau wie dieser Krieg Alt und Jung in zwei Lager teilte, kann man diese Spaltung auch in der Musik erkennen. Folk gegen Blues und Rock, sauber gegen schmutzig, Beatles gegen Stones. Aber nun soll Herr Springsteen einfach nochmal sprechen, über sein Heimatland:
"You end up like a dog that's been beat too much
Till you spend half your life just covering up [...]
So they put a rifle in my hand
Sent me off to a foreign land
To go and kill the yellow man."
Soviel zum Thema Patriotismus. Dafür muss man dann wohl eher auf "Born to be Wild" zurückgreifen.. und den dazugehörigen Film. Wobei Steppenwolf sich ja nach Hermann Hesses Roman benannt hat.. und der Sänger aus Ostpreußen stammt.. aber gut das würde nun aber zu weit führen :)



Einige von euch wissen (wie sie das anhört :-) Als würden das hier tatsächlich mehr als drei Menschen lesen *g*), dass der Gedanke an den Westen nicht von ungefähr kommt. Im nächsten Jahr werde ich mindestens 10 Wochen im schönen Washington D.C. verbringen und ein Praktikum im dortigen Auslandsstudio eines großen deutschen Senders absolvieren. Grund genug meine Landeskenntnis, die ohnehin - wie die meisten Dinge in meinem Leben - fast ausschließlich aus Musikerbiographien und Songtexten bestehen, einmal aufzufrischen.






Bei der Suche nach einem passenden Titel für diesen Post durchsuchte ich mein violinverschlüsseltes Hirn dann mal nach den Schlagworten "USA" und "America" durch und - neben "Bringsteens" Song spuckte es folgenden Titel ziemlich schnell aus:





Simon&Garfunkel - America











Dann also zur Vorgeschichte: Es ist nun genau 1 Uhr und der Zeitpunkt scheint aus mehreren Gründen perfekt: gerade komme ich zurück von einem spontan-kostenlosen Reamonn-Konzert in Ludwigshafen mit angeschlossener Pfalz-Plauder-Tour, sehr nett das Ganze. Als ich den TV anmachte flimmerte mir darüber hinaus "Gimme Shelter" entgegen, ein Film über die US-Tour der Stones 1969 (die bis dato größte Konzerttour, die es je gab, ein total krasser Film mit vielen nackten Menschen und noch mehr Schlägereien zwischen Hippies und den Hell's Angels... - hm ich glaube ich habe mein nächstes Blog-Thema gefunden..) und parallel kann ich mir auf SWR auch noch ein "Best of Rock am Ring 08" ansehen (wobei ich den Auftritt von "Bullet for my Valentine" eher nicht zu den Highlights zählen würde..). Dennoch soll mich das nicht davon abhalten mein eigentliches Vorhaben in buchstäbliche Formen zu bringen.

Simon & Garfunkel.. zwei tolle Burschen. Ihr "The Concert in Central Park" - Album läuft bei mir momentan den ganzen Tag. Es ist nämlich meine Referate-und-Lern-Musi und erinnert mich an Kochen mit Papa K. und sorgenfreie Kindheit. Es gibt nur eine handvoll von diesen Alben, bessergesagt Live-Alben, bei denen ich die Übergänge genauso mitsprechen kann wie die Texte der Lieder und als ich das in meiner Wiederentdeckungsphase (oh ein weiteres Blog-Thema ;-)) erkannte, machte mich das sehr glücklich. Außerdem verwundert es mich sehr, dass man sich nach 15 Jahren noch an Musikbruchstücke erinnert, als hätte man sie gestern gehört. Achja.. aber schon wieder vom Thema abgekommen... ein Lied auf diesem tollen Album der beiden Amerikaner heißt ..na wie? Ja... "America". Die bekannteren Stücke von Paul und Art sind textlich ja eher wenig interessant und sind viel mehr Folk als Rock. America jedoch wirkte auf mich schon immer anders.. nicht nur ruhiger und nachdenklicher, sondern einfach: anders. Als Sechsjährige erlaubten mir meine mittelmäßigen Englischkenntnisse ja nur, diese Sonderstellung an der Melodie und Stimmung festzumachen, aber heute weiß ich: auch der Text ist anders als die über Frau Robinson, den Boxer, die Brücke, die Stille. Es ist eine tolle kleine Geschichte über Kathy und Ihn und über eine Entdeckungsreise. Über viele Zigaretten, einen mutmaßlichen Spion und viel Unsicherheit. Und es ist genau 40 Jahre alt.

"Let us be lovers we'll marry our fortunes together"
"I've got some real estate here in my bag"
So we bought a pack of cigarettes and Mrs. Wagner pies
And we walked off to look for America

Die ersten Zeilen des Songs stecken meiner Meinung nach nicht nur voller Symbole, sondern zeigen auch ein relativ aktuelles Bild der amerikanischen Lebensart. Das Land der unbegrenzten Möglichekeiten: Hast du Geld, steht dir alles offen und du findest auch ganz sicher jemanden, der den Lebensweg mit dir bestreitet. Du brauchst eine Schachtel Zigaretten und ein paar Kekse für den Weg und schon kanns los gehen. Mrs. Wagner pies wurden übrigens bis 1969 produziert und waren damals wohl die absoluten Luxuskekse, da einzeln verpackt und wurden von einer riesigen Firma namens "Mrs. Wagner's Home Made Pies" produziert, die einer der reichsten Familien in New Jersey gehörte.

"Kathy," I said as we boarded a Greyhound in Pittsburgh
"Michigan seems like a dream to me now"
It took me four days to hitchhike from Saginaw
I've gone to look for America
Laughing on the bus
Playing games with the faces
She said the man in the gabardine suit was a spy
I said "Be careful his bowtie is really a camera"
"Toss me a cigarette, I think there's one in my raincoat"
"We smoked the last one an hour ago"
So I looked at the scenery, she read her magazine
And the moon rose over an open field
"Kathy, I'm lost," I said, though I knew she was sleeping
I'm empty and aching and I don't know why
Counting the cars on the New Jersey Turnpike

They've all gone to look for America
All gone to look for America
All gone to look for America


tbc