U.S.A.
Selten haben drei Buchstaben die jungen Gemüter so bewegt wie diese Abkürzung (außer vll BSE, aber das tut jetzt nichts zur Sache). Da das hier ja kein politischer Blog ist, sondern vielmehr ein verbalisiert akustischer (--> Autocorso, Namen, Musik..), möchte ich mal kurz darüber nachdenken, was die Meilen- und Kieselsteine der Rockgeschichte so über das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ausgespuckt haben. Manches war tatsächlich ein rotziges Verachten, manches entstand aus Bewunderung für unglaublich Weites und andere fallen eindeutig in die Kategorie "Patriotismus mit und ohne sternenbedrucktes Deckmäntelchen". Ein gutes Beispiel ist da "Born in the USA" von Altmeister Bruce Springsteen (früher dachte ich ja, er hieße Bruce Bringsteen. Sprecht es mal so aus.. macht keinen Unterschied :) ). Würde man mal eine Umfrage machen, um was es in diesem Song eigentlich geht, würden sicher viele so etwas sagen wie "Naja, der singt eben über seine schöne Heimat, oder?". Doch was merkt der aufmersame Songtextestudent? Heimat, ja. Schön - nein. Der Musiker aus New Jersey singt über das, was die amerikanische Gesellschaft in den 60ern spaltete wie kein anderes Thema: Vietnam. Genau wie dieser Krieg Alt und Jung in zwei Lager teilte, kann man diese Spaltung auch in der Musik erkennen. Folk gegen Blues und Rock, sauber gegen schmutzig, Beatles gegen Stones. Aber nun soll Herr Springsteen einfach nochmal sprechen, über sein Heimatland:
"You end up like a dog that's been beat too much
Till you spend half your life just covering up [...]
So they put a rifle in my hand
Sent me off to a foreign land
To go and kill the yellow man."
Soviel zum Thema Patriotismus. Dafür muss man dann wohl eher auf "Born to be Wild" zurückgreifen.. und den dazugehörigen Film. Wobei Steppenwolf sich ja nach Hermann Hesses Roman benannt hat.. und der Sänger aus Ostpreußen stammt.. aber gut das würde nun aber zu weit führen :)
Einige von euch wissen (wie sie das anhört :-) Als würden das hier tatsächlich mehr als drei Menschen lesen *g*), dass der Gedanke an den Westen nicht von ungefähr kommt. Im nächsten Jahr werde ich mindestens 10 Wochen im schönen Washington D.C. verbringen und ein Praktikum im dortigen Auslandsstudio eines großen deutschen Senders absolvieren. Grund genug meine Landeskenntnis, die ohnehin - wie die meisten Dinge in meinem Leben - fast ausschließlich aus Musikerbiographien und Songtexten bestehen, einmal aufzufrischen.Bei der Suche nach einem passenden Titel für diesen Post durchsuchte ich mein violinverschlüsseltes Hirn dann mal nach den Schlagworten "USA" und "America" durch und - neben "Bringsteens" Song spuckte es folgenden Titel ziemlich schnell aus:
Simon&Garfunkel - America
Dann also zur Vorgeschichte: Es ist nun genau 1 Uhr und der Zeitpunkt scheint aus mehreren Gründen perfekt: gerade komme ich zurück von einem spontan-kostenlosen Reamonn-Konzert in Ludwigshafen mit angeschlossener Pfalz-Plauder-Tour, sehr nett das Ganze. Als ich den TV anmachte flimmerte mir darüber hinaus "Gimme Shelter" entgegen, ein Film über die US-Tour der Stones 1969 (die bis dato größte Konzerttour, die es je gab, ein total krasser Film mit vielen nackten Menschen und noch mehr Schlägereien zwischen Hippies und den Hell's Angels... - hm ich glaube ich habe mein nächstes Blog-Thema gefunden..) und parallel kann ich mir auf SWR auch noch ein "Best of Rock am Ring 08" ansehen (wobei ich den Auftritt von "Bullet for my Valentine" eher nicht zu den Highlights zählen würde..). Dennoch soll mich das nicht davon abhalten mein eigentliches Vorhaben in buchstäbliche Formen zu bringen.
Simon & Garfunkel.. zwei tolle Burschen. Ihr "The Concert in Central Park" - Album läuft bei mir momentan den ganzen Tag. Es ist nämlich meine Referate-und-Lern-Musi und erinnert mich an Kochen mit Papa K. und sorgenfreie Kindheit. Es gibt nur eine handvoll von diesen Alben, bessergesagt Live-Alben, bei denen ich die Übergänge genauso mitsprechen kann wie die Texte der Lieder und als ich das in meiner Wiederentdeckungsphase (oh ein weiteres Blog-Thema ;-)) erkannte, machte mich das sehr glücklich. Außerdem verwundert es mich sehr, dass man sich nach 15 Jahren noch an Musikbruchstücke erinnert, als hätte man sie gestern gehört. Achja.. aber schon wieder vom Thema abgekommen... ein Lied auf diesem tollen Album der beiden Amerikaner heißt ..na wie? Ja... "America". Die bekannteren Stücke von Paul und Art sind textlich ja eher wenig interessant und sind viel mehr Folk als Rock. America jedoch wirkte auf mich schon immer anders.. nicht nur ruhiger und nachdenklicher, sondern einfach: anders. Als Sechsjährige erlaubten mir meine mittelmäßigen Englischkenntnisse ja nur, diese Sonderstellung an der Melodie und Stimmung festzumachen, aber heute weiß ich: auch der Text ist anders als die über Frau Robinson, den Boxer, die Brücke, die Stille. Es ist eine tolle kleine Geschichte über Kathy und Ihn und über eine Entdeckungsreise. Über viele Zigaretten, einen mutmaßlichen Spion und viel Unsicherheit. Und es ist genau 40 Jahre alt.
"Let us be lovers we'll marry our fortunes together"
"I've got some real estate here in my bag"
So we bought a pack of cigarettes and Mrs. Wagner pies
And we walked off to look for America
Die ersten Zeilen des Songs stecken meiner Meinung nach nicht nur voller Symbole, sondern zeigen auch ein relativ aktuelles Bild der amerikanischen Lebensart. Das Land der unbegrenzten Möglichekeiten: Hast du Geld, steht dir alles offen und du findest auch ganz sicher jemanden, der den Lebensweg mit dir bestreitet. Du brauchst eine Schachtel Zigaretten und ein paar Kekse für den Weg und schon kanns los gehen. Mrs. Wagner pies wurden übrigens bis 1969 produziert und waren damals wohl die absoluten Luxuskekse, da einzeln verpackt und wurden von einer riesigen Firma namens "Mrs. Wagner's Home Made Pies" produziert, die einer der reichsten Familien in New Jersey gehörte.
"Kathy," I said as we boarded a Greyhound in Pittsburgh
"Michigan seems like a dream to me now"
It took me four days to hitchhike from Saginaw
I've gone to look for America
Laughing on the bus
Playing games with the faces
She said the man in the gabardine suit was a spy
I said "Be careful his bowtie is really a camera"
"Toss me a cigarette, I think there's one in my raincoat"
"We smoked the last one an hour ago"
So I looked at the scenery, she read her magazine
And the moon rose over an open field
"Kathy, I'm lost," I said, though I knew she was sleeping
I'm empty and aching and I don't know why
Counting the cars on the New Jersey Turnpike
They've all gone to look for America
All gone to look for America
All gone to look for America
tbc